OPERATION MANKIND

Internationales Mail Art Projekt von Hans Braumüller

Dmitry Babenko

Deutsch English Español
OPERATION MANKIND^ GALERIE TEXT von C.PADIN DOKUMENTATION WEBSITE CROSSES.NET

Die Interaktion in der Mail Art der 60er Jahre und in der digitalen Kunst von 2000: OPERATION MANKIND

Stamp by Clemente Padin, 1992

Die Projekte “Add and Pass” oder “Add, Alter and Return“ gibt es seit den Anfängen der Mail Art.
Einer der Erfinder der Mail Art Bewegung gegen Mitte der 60er Jahre, der New Yorker Fluxus Künstler Ray Johnson schickte seinen Freunden unvollständige Zeichnungen und Grafiken auf Papier mit der Bitte um Vervollständigung, um dann die Arbeiten „dieser oder jener“ Galerie zu schicken, wo sie zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgestellt werden sollten.
Johnson entwickelte nicht nur eine neue Gattung der Mail Art, wie zum Beispiel Postkarten und Artiststamps (kreative und apokryphische Briefmarken), sondern auch das Fundament einer neuen Art und Weise Kunst zu genießen und zu erschaffen: Die Interaktion, die Möglichkeit mit Anderen die Magie und das Wunder des Erfindens zu teilen oder „aus der Galerie selbst“ ein neues Objekt, ein Werk zu holen, eine wirklich ausdrucksvolle Kreation entstehen zu lassen.
Ohne Zweifel, die erhabene Gestalt des Erschaffers verlor an Gewicht und das eigene Projekt (oder die Matrize) konnte bis zu dem Punkt substantiell verändert werden, an dem selbst der Autor es nicht mehr erkennt. Diese neue „gemeinsam wahrgenommene Funktionalität“ steht im Mittelpunkt der Überlegungen der Kunst der 60er Jahre, die mit allen Mitteln versuchte, die egoistische Figur des „einzigartigen und genialen“ Künstlers zum Wohle der Leute auszuradieren, die bis zu diesem Augenblick, die Arbitraritäten des Künstler passiv „erleiden“ mussten. „Die Kunst dem Volk zurückgeben“, war einer der beliebten Parolen des französischen Mai 1968.

Genauer gesagt, das in Frage Stellen des Kunstkonsums (und anderer Mechanismen) bildete den Mittelpunkt der Diskussion der 60er Jahre und führte zu unzähligen Strömungen, besonders auf der Ebene der Experimentellen Poesie: Poem/Process, Poesie der Aktion, Poesía Inobjetal, Poesía Para y/o a Realizar, Poesía Dos Puntos, Poesía Para Armar, etc.
Auf künstlerischer Ebene brachten Fluxus und gewisse Tendenzen der Konzeptkunst das Programm der reellen Demokratisierung der Kunst durch die kreative Teilnahme (oder Interaktion) des Betrachters weiter, der bis zu diesem Augenblick eine passive und neutrale Gestalt vor dem Werk war.

Diese Tendenz hat in unseren Tagen, am Anfang des 3. Jahrtausends, mit dem Erscheinen von „Multimedia“ wieder ihre Aktualität aufgrund des technologisches Fortschritts auf dem Gebiet der Grafik der Computerindustrie zurück gewonnen. Sie ist so etwas wie eine virtuelle Performance, in der eine Diversität von Sprachen in eine einzige künstlerische Entität eingebracht werden.
Die Sprache, der Sound, die Visualität, die Animation, die Hypertexte, das heißt, fast alle expressiven Medien, welche die sogenannte „Ausdrucksform“ prägen, fügen sich in einem „Opus“ zusammen, dessen Bedeutung vielfältig ist.

Trotzdem ist die Interaktion, welche die digitale Kunst ermöglicht, begrenzt, da die möglichen Variationen (obwohl es sehr viele sind) begrenzt sind und der Augenblick kommt, in dem der Leser alle diese Variationen entziffert. Dies führt dann zur informationellen Erschöpfung des Werkes. Multimedia funktioniert also nicht wie das „Offene Werk“, das die Sendungen „Add and Pass“ von Johnson andeuteten, mit den unendlichen Möglichkeiten der Überarbeitung und Veränderung in Übereinstimmung mit der Größe des Netzes der Teilnehmer des Projektes (network). Auch werden die formellen Errungenschaften des brasilianischen Poem/Process nicht übertroffen, welches die Wiedererschaffung des Poems erlaubte, nicht nur auf den Ebenen des Wissens und der Erfahrungen des Lesers, sondern auch in Übereinstimmung mit den Materialen, die sowohl der Ort , wie auch der technologische Fortschritt ermöglichte. Diese Mängel der Formen des virtuellen Ausdruckes werden aber ohne Zweifel überwunden werden, durch die konstanten und häufigen Fortschritte der Software, angewendet auf dem Feld der Kommunikation.

Die visuelle Basis des Projektes “OPERATION MANKIND” des Künstlers Hans Braumüller, geboren in Santiago de Chile, ist ein Schema des menschlichen Körpers über dem medizinische Studien abgebildet werden. Diese hat der Autor an Mail Artisten per Post verteilt, damit sie nach den Regeln des „ADD and PASS“ das Schema überarbeiten und es ihm für eine Ausstellung im Kunstkabinett des LBK Hamburg zurückzuschicken. Auch wenn jeder seine eigenen Interpretationen macht, erscheint uns Braumüllers Botschaft klar: Als Patient analysiert und diagnostiziert sich die kranke Menschheit selbst und verschreibt sich die Heilung mit den Mitteln der Analyse ihrer Existenz durch die Entfaltung der Interaktion (Die Kommunikation mittels der Interfaces). Oft verschreiben die Ärzte einen Wechsel der Umgebung als Heilungsmethode. Ist es vielleicht nicht jetzt an der Zeit der Menschheit einen Wechsel der sozioökonomischen Ordnung anzuraten?

 

Clemente Padín

Februar 2003, speziell für Hans Braumüller und sein Projekt „OPERATION MANKIND“ (Übersetzung aus dem Spanischen von Hans Braumüller)

 

OPERATION MANKIND^ GALERIE TEXT von C.PADIN DOKUMENTATION WEBSITE CROSSES.NET
Used Software MailArtBoard 1.1. designed and developed by Hans Braumüller on CROSSES.NET. Supporters

OPERATION MANKIND
Internationales Mail Art Projekt von Hans Braumüller

TOTAL VISITS: 325543